Samstag, 28. Juli 2012

Ich erinnere mich an alles.

hab ich vor nem haleben jahr geschrieben. ISt noch nicht fertig

Jetzt. Jahre später glaube ich zu wissen was in ihrem Kopf vorging, als das passierte, was mein Leben zu zerstören drohte. Ich erinnere mich noch an alles. Jedes noch so kleine Detail. An jeden meiner Gedanken. An jedes ihrer Worte.

Es ist ein Sonntag. Ein Sonntag im April. Ich wache lächelnd auf, wie so oft, wenn ich weiß, dass ich sie heute sehe. Ich denke an sie, ich rufe an. Ich will ihre Stimme hören. Es ist noch früh am morgen, ich weiß nicht, ob sie schon wach ist, aber normalerweise wacht sie im selben Moment auf, wie ich. Ich höre die süße Melodie ihres Lieblingsliedes in der Warteschleife.

'Hallo ?', es ist die Stimme meiner Freundin die ich höre, doch ich wundere mich, als ich merke, dass ich ihre Stimme kaum erkannt hätte, wenn ich nicht gewusst hätte, dass sie es sein muss, mit der ich rede. Ihre Stimme ist voller Angst.

'Ich bin's nur', flüstere ich beruhigend. 'Ich bin's. Alles ist gut. Was ist passiert ? Weshalb klingst du so erschrocken ?' 'Es ist alles gut.' Die Worte klingen mit ihrer zittrigen Stimme nicht grade mit überzeugend. 'Ich bin da. Das weißt du. Ja ?' 'Ja.' Sie ist nie so kurz angebunden. Etwas schlimmes muss passiert sein. 'Können wir uns sehen ?' 'Hmm. Nicht bei mir. Komm nicht zu mir.' 'Okay. In einer Stunde, oder willst du noch ein bisschen schlafen ? Am Baum, ja ?' 'Mhm.' Immerhin etwas. Sie hat gesagt, dass sie da ist. Hoffentlich kommt sie auch wirklich.

Ich sitze auf unserem Baum. Dort haben wir uns kennengelernt. Sie war neu in unsere Stadt. Es war Sommer. Sie kam angelaufen, als ich auf dem Baum saß und den anderen zu sah. Damals waren wir fünf. Und sie war genauso hübsch wie jetzt. Obwohl sie nur Sachen aus Biobaumwolle trug. Ihre Eltern waren Ökos. Sie trug nichts, was jeder 'normale' tragen würde. Ich fand das süß. Jedenfalls später, in dem Alter in dem man beginnt sich für Mädchen zu interessieren. In dem sie für manche 'geil' werden, für manche 'sexy', und für manche 'süß'. Wie für mich. Und das Mädchen was ich mit elf Jahren süß fand, war eben sie. Bis heute. Ich warte auf sie, hoffe, dass sie kommt, dass sie mir erzählt, es wäre nur ein Tierchen in ihrem Bett gewesen, wegen dem sie so voller Angst war. Sie kommt nicht. Nicht nach zehn Minuten. Nicht nach zwanzig. Nicht nach einer Stunde. Nicht nach zwei. Garnicht. Irgendwann mache ich mir wirklich Sorgen, denn ich habe nie wirklich geglaubt, dass sie nicht kommt. Sie ist zuverlässig. Ich habe wirklich Angst. Also laufe ich, laufe zur U- Bahn. Ich will zu ihr.


'Ding dong.' Nichts. Nochmal. 'Ding dong.' Wieder Nichts. Ich hole, trotz des Widerstands in mir, den zweit Schlüssel aus seinem Versteck in der Dachrinne.

Das Geräusch, welches entsteht, wenn ich den Schlüssel in das Schloss stecke, erscheint mir viel lauter, als gewöhnlich. Auch als ich die Tür öffne ist etwas anders als sonst. Aber es sieht alles aus wie immer. Das Telefon hängt an der grün gestrichenen Wand. Der Anrufbeantworter blinkt, doch ich weiß, dass ich es war. Ich hab sie mehrmals angerufen, als ich auf sie wartete. Wie immer stehen Blumen auf dem kleinen Tisch im Flur. An der Garderobe hängen viele Jacken, Taschen und Tücher. Auch an den Kinderhacken hängen bunte Jacken. Die Schuhe stehen ordentlich im Schuhregal. Die Tür zur Küche ist geöffnet. Das Tor zur Treppe, für die kleinste im Haus, ist geschlossen. Ich merke, was anderes ist. Niemand ist da. Sonst strotzt dieses Haus nur vor Leben. Bei sechs Kindern und zwei Erwachsenen auch kaum anderes vorstellbar. Normal komme ich in dieses Haus und es rennen Kinder spielend durch den Flur. Es ist laut. Man hört lachen. Manchmal weinen. Manchmal schreien. Aber immer etwas. Oft riecht es nach Essen. Und überall findet man kleine Spuren des Lebens. Ein Schuh, mitten im Flur. Ein aufgeschlagenes Buch auf dem Tisch. Eben Leben. Doch jetzt ist da gar nichts. Gar nichts.

Ich gehe unten durch alle Zimmer. Durch die Küche, das riesige Bad, durch das Esszimmer und das Wohnzimmer. Ich gucke im Garten, ob jemand da ist, doch auch da ist niemand. Weshalb ist denn niemand da ? Die kleinen haben nicht lange Schule, doch es ist schon später Nachmittag, und Donnerstag ist der Tag an dem alle da sind, deshalb kochen sie immer zusammen. Aber niemand ist da. Ich gehe noch mal hoch, um zu sehen, ob wirklich niemand da ist. Nein. Auch oben ist niemand. Alles sieht unbewohnt aus. Wie in einem Möbelhaus. Sind sie kurz vor den Ferien in den Urlaub gefahren ? Vielleicht sollte ich doch mal sehen, ob jemand außer mir auf den Anrufbeantworter gesprochen hat. 'Ach stimmt. Ich hatte vergessen, dass ihr gestern spontan weg gefahren seid. Ruft mich doch mal an, wenn ihr wieder zuhause seid. Oder kommt einfach vorbei.' Das war ihre Nachbarin. Heute Morgen. Weshalb hat man mir das nicht gesagt. Und warum war sie dann heute zu hause ?

Ich kann nichts machen. Ich schnappe mir einen Apfel und bin auch schon wieder weg.



Um Ruhe zu finden gehe ich an den See, ihren Lieblingsplatz. Dieses Mal nehme ich aber nicht die U- Bahn, ich stecke die Kopfhörer meines iPods in mein Ohr, mache mein Lieblingslied an und laufe langsam den Waldweg zum See, um einen klaren Kopf zu bekommen.

Es beginnt grade zu regnen als ich am See ankomme. Doch ich setze mich trotzdem ans Ufer. Ich sitze da, schmeiße Steinchen in das blau- grüne Wasser. Höre Musik. Denke nach. Ein kleiner Fisch schlüpft unter einen fachen Stein. Der Regen wird stärker &' mein Pulli ist schon sehr nass. Trotz der Tatsache, dass ich lieber am See sitze, als in einer kleinen Holzhütte, will ich mich in das kleine Häuschen, das direkt am See stand, setzen.


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