hab ich vor nem haleben jahr geschrieben. ISt noch nicht fertig
Jetzt.
Jahre später glaube ich zu wissen was in ihrem Kopf vorging, als das
passierte, was mein Leben zu zerstören drohte. Ich erinnere mich
noch an alles. Jedes noch so kleine Detail. An jeden meiner Gedanken.
An jedes ihrer Worte.
Es
ist ein Sonntag. Ein Sonntag im April. Ich wache lächelnd auf, wie
so oft, wenn ich weiß, dass ich sie heute sehe. Ich denke an sie,
ich rufe an. Ich will ihre Stimme hören. Es ist noch früh am
morgen, ich weiß nicht, ob sie schon wach ist, aber normalerweise
wacht sie im selben Moment auf, wie ich. Ich höre die süße Melodie
ihres Lieblingsliedes in der Warteschleife.
'Hallo
?', es ist die Stimme meiner Freundin die ich höre, doch ich wundere
mich, als ich merke, dass ich ihre Stimme kaum erkannt hätte, wenn
ich nicht gewusst hätte, dass sie es sein muss, mit der ich rede.
Ihre Stimme ist voller Angst.
'Ich
bin's nur', flüstere ich beruhigend. 'Ich bin's. Alles ist gut. Was
ist passiert ? Weshalb klingst du so erschrocken ?' 'Es ist alles
gut.' Die Worte klingen mit ihrer zittrigen Stimme nicht grade mit
überzeugend. 'Ich bin da. Das weißt du. Ja ?' 'Ja.' Sie ist nie so
kurz angebunden. Etwas schlimmes muss passiert sein. 'Können wir uns
sehen ?' 'Hmm. Nicht bei mir. Komm nicht zu mir.' 'Okay. In einer
Stunde, oder willst du noch ein bisschen schlafen ? Am Baum, ja ?'
'Mhm.' Immerhin etwas. Sie hat gesagt, dass sie da ist. Hoffentlich
kommt sie auch wirklich.
Ich
sitze auf unserem Baum. Dort haben wir uns kennengelernt. Sie war neu
in unsere Stadt. Es war Sommer. Sie kam angelaufen, als ich auf dem
Baum saß und den anderen zu sah. Damals waren wir fünf. Und sie war
genauso hübsch wie jetzt. Obwohl sie nur Sachen aus Biobaumwolle
trug. Ihre Eltern waren Ökos. Sie trug nichts, was jeder 'normale'
tragen würde. Ich fand das süß. Jedenfalls später, in dem Alter
in dem man beginnt sich für Mädchen zu interessieren. In dem sie
für manche 'geil' werden, für manche 'sexy', und für manche 'süß'.
Wie für mich. Und das Mädchen was ich mit elf Jahren süß fand,
war eben sie. Bis heute. Ich warte auf sie, hoffe, dass sie kommt,
dass sie mir erzählt, es wäre nur ein Tierchen in ihrem Bett
gewesen, wegen dem sie so voller Angst war. Sie kommt nicht. Nicht
nach zehn Minuten. Nicht nach zwanzig. Nicht nach einer Stunde. Nicht
nach zwei. Garnicht. Irgendwann mache ich mir wirklich Sorgen, denn
ich habe nie wirklich geglaubt, dass sie nicht kommt. Sie ist
zuverlässig. Ich habe wirklich Angst. Also laufe ich, laufe zur U-
Bahn. Ich will zu ihr.
'Ding dong.' Nichts.
Nochmal. 'Ding dong.' Wieder Nichts. Ich hole, trotz des Widerstands
in mir, den zweit Schlüssel aus seinem Versteck in der Dachrinne.
Das Geräusch,
welches entsteht, wenn ich den Schlüssel in das Schloss stecke,
erscheint mir viel lauter, als gewöhnlich. Auch als ich die Tür
öffne ist etwas anders als sonst. Aber es sieht alles aus wie immer.
Das Telefon hängt an der grün gestrichenen Wand. Der
Anrufbeantworter blinkt, doch ich weiß, dass ich es war. Ich hab sie
mehrmals angerufen, als ich auf sie wartete. Wie immer stehen Blumen
auf dem kleinen Tisch im Flur. An der Garderobe hängen viele Jacken,
Taschen und Tücher. Auch an den Kinderhacken hängen bunte Jacken.
Die Schuhe stehen ordentlich im Schuhregal. Die Tür zur Küche ist
geöffnet. Das Tor zur Treppe, für die kleinste im Haus, ist
geschlossen. Ich merke, was anderes ist. Niemand ist da. Sonst
strotzt dieses Haus nur vor Leben. Bei sechs Kindern und zwei
Erwachsenen auch kaum anderes vorstellbar. Normal komme ich in
dieses Haus und es rennen Kinder spielend durch den Flur. Es ist
laut. Man hört lachen. Manchmal weinen. Manchmal schreien. Aber
immer etwas. Oft riecht es nach Essen. Und überall findet man kleine
Spuren des Lebens. Ein Schuh, mitten im Flur. Ein aufgeschlagenes
Buch auf dem Tisch. Eben Leben. Doch jetzt ist da gar nichts. Gar
nichts.
Ich gehe unten durch
alle Zimmer. Durch die Küche, das riesige Bad, durch das Esszimmer
und das Wohnzimmer. Ich gucke im Garten, ob jemand da ist, doch auch
da ist niemand. Weshalb ist denn niemand da ? Die kleinen haben nicht
lange Schule, doch es ist schon später Nachmittag, und Donnerstag
ist der Tag an dem alle da sind, deshalb kochen sie immer zusammen.
Aber niemand ist da. Ich gehe noch mal hoch, um zu sehen, ob wirklich
niemand da ist. Nein. Auch oben ist niemand. Alles sieht unbewohnt
aus. Wie in einem Möbelhaus. Sind sie kurz vor den Ferien in den
Urlaub gefahren ? Vielleicht sollte ich doch mal sehen, ob jemand
außer mir auf den Anrufbeantworter gesprochen hat. 'Ach stimmt. Ich
hatte vergessen, dass ihr gestern spontan weg gefahren seid. Ruft
mich doch mal an, wenn ihr wieder zuhause seid. Oder kommt einfach
vorbei.' Das war ihre Nachbarin. Heute Morgen. Weshalb hat man mir
das nicht gesagt. Und warum war sie dann heute zu hause ?
Ich kann nichts
machen. Ich schnappe mir einen Apfel und bin auch schon wieder weg.
Um Ruhe zu finden
gehe ich an den See, ihren Lieblingsplatz. Dieses Mal nehme ich aber
nicht die U- Bahn, ich stecke die Kopfhörer meines iPods in mein
Ohr, mache mein Lieblingslied an und laufe langsam den Waldweg zum
See, um einen klaren Kopf zu bekommen.
Es beginnt grade zu
regnen als ich am See ankomme. Doch ich setze mich trotzdem ans Ufer.
Ich sitze da, schmeiße Steinchen in das blau- grüne Wasser. Höre
Musik. Denke nach. Ein kleiner Fisch schlüpft unter einen fachen
Stein. Der Regen wird stärker &' mein Pulli ist schon sehr nass.
Trotz der Tatsache, dass ich lieber am See sitze, als in einer
kleinen Holzhütte, will ich mich in das kleine Häuschen, das direkt
am See stand, setzen.
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